Mittwoch, 27. Januar 2016

Ein guter Mensch ~ Gutmenschen?

Jede Generation hat so ihre Heldenfiguren. In meiner Jugendzeit nach dem
2. Weltkrieg war Albert Schweitzer für viele der Inbegriff des guten Menschen.

Auch ich verschlang als Jugendliche sein Buch „Der Urwalddoktor von Lambarene“  und erträumte mir, irgendwie mitzuhelfen, das Elend in der Welt zu lindern. HIER↓ die Biografie von Helene Schweitzer-Bresslau, der Ehefrau von Albert Schweitzer, aufgeschrieben von Tochter Rhena.

Später liess ich mich nach einer kurzen Sekretärinnen Berufslaufbahn zur Krankenschwester ausbilden, nach Afrika hat es mich jedoch nie gezogen. Das einzige Land dieses Kontinents, das ich als Touristin erkundete, war Ägypten. 


Damals als junge Frau prallte diese fremde Kultur mit Wucht auf mich ein. Neben den wunderbaren alten Kulturgütern nahm ich sehr wohl die Armut unter grossen Teilen der Bevölkerung wahr, und dass es den Mädchen und Frauen meist viel weniger gut geht als in unserem Kulturraum.

Die Arbeitskollegin mit der ich damals auf der Reise war, schleppte einen riesigen Koffer voll Material vom Spital mit, das sie geschenkt bekam oder günstig erwerben konnte. Ich wunderte mich ein wenig, und fand ihren Helferwillen etwas übertrieben.

Als wir dann das kleine Spital besuchten, und all die Sachen der Schwester dort brachten, war ich etwas beschämt über meine Einstellung zuvor, denn solche Armut und Bedürftigkeit hätte ich mir niemals ausmalen können. 

Welche Erleichterung und riesige Freude die wenigen Güter auslösten! Der Himmel schickt euch, war der begeisterte Ausruf. Ein Tropfen auf den heissen Stein, der jedoch gerade dort und zu jener Zeit gebraucht wurde.

So ist es doch oft, dass die Lebensumstände, in denen viele Menschen welt-weit sich Tag für Tag vorfinden, für uns kaum nachvollziehbar sind, bis wir selbst hautnah mit allen Sinnen damit konfrontiert werden.


Sind diese zwei hilfreichen Menschen nun Gutmenschen wie es heute als Schimpfwort gebraucht wird? Ich machte mich etwas kundig im Internet, seit wann dieses Unwort im Umlauf ist und wer es erfunden hat.

Wikipedia weiss zu berichten:
Gutmensch ist sprachlich eine ironische, sarkastische, gehässige oder verachtende Verdrehung des eigentlichen Wortsinns „guter Mensch“ in eine Verunglimpfung. Der Ausdruck gilt als politisches Schlagwort meist abwertend gemeinter Bezeichnung für Einzelpersonen oder Personengruppen, das sogenannte „Gutmenschentum“.

Entstanden sein soll das Unwort Gutmensch als eine „Witzelei“ der „89-Generation“-Feuilletonisten... 

Häufiger benutzt die politische Rechte den Begriff, um den politischen Gegner zu diskreditieren: Indem sie „linke“ Ideale als „Gutmenschentum“ abwertet, unterstreicht sie den Anspruch, selbst realistisch und auf der Sachebene zu argumentieren...HIER↓ alles lesen


Also ich weiss von guten Menschen mit verschiedenster politischer und gesellschaftlicher Zugehörigkeit, diese sind gut aus Überzeugung und innerer Kraft, weder aus Dummheit noch aus Realitätsverlust oder Geltungssucht.

Da fällt mir z.B. der Arzt Dr. Ruedi Lüthy↓ ein, den ich in meiner Berufsausübung als Krankenschwester kennen lernen durfte. Anfang der 1980er-Jahre gehörte er zu den ersten Aids-Spezialisten in der Schweiz. 

Im Pensionsalter wurde er an einem Aidskongress von einer Ärztin aus Simbabwe um Hilfe bei einer Gesundheitsstudie angefragt. Bald darauf reiste Dr. Lüthy nach Simbabwe, um in Harare eine ambulante HIV-Klinik und ein Referenzlabor aufzubauen.

Die Newlands Clinic↓ ist seit März 2004 in Betrieb. Sie wird vor allem aus Spendengeldern finanziert. Seit 2009 werden im dazugehörigen Ausbildungs-zentrum laufend einheimische Ärzte und Pflegefachleute im Management von HIV ausgebildet. Diese tragen das Wissen in andere Kliniken in ganz Simbabwe weiter.


Im Internet habe ich von ihm geschriebene Kolumnen gefunden. In der untenstehenden geht es um seine Motivation, warum er noch im Pensionsalter ins südliche Afrika gezogen ist:

Es gibt Länder auf der Welt, da ist das Leben zumindest einigermassen gerecht – weil es bezahlbare öffentliche Schulen gibt, eine medizinische Grundversorgung und genügend Nahrungsmittel in den Ladenregalen. 

Und dann gibt es Länder wie Simbabwe, wo die Kluft zwischen Arm und Reich, Besitzenden und Besitzlosen, Gebildeten und Ungebildeten so gross ist, dass Gerechtigkeit keinen Platz zu haben scheint, und ihre so offensichtliche Abwesenheit ist ein wesentlicher Grund, warum es mich ins südliche Afrika gezogen hatHIER↓ alles lesen

Weitere Kolumnen von Dr. Lüthy -  OUT OF AFRICA - HIER↓ klicken

Ein guter Mensch!
Gute Menschen – DANKE - dass es Euch gibt.

Liebe Grüsse aus dem