Montag

Werden und Vergehen ins Leben hereinholen

Der Monat November wird von den meisten nicht gerade geliebt, er erinnert in seiner Kahlheit zu stark an Vergänglichkeit und Sterben.

Auch für mich ist er jedes Jahr eine Herausforderung, die ich von Mal zu Mal etwas bewusster annehmen kann. Mich darauf einzulassen, mich der Realität des eigenen Todes zu stellen, das wird mir immer wichtiger in meinem Leben.

Viele erschreckt ja nicht der Tod an sich, sondern eher das mögliche schmerzhafte Sterben, das nicht mehr bestimmen können, was mit einem geschieht. Die Angst davor die Kontrolle zu verlieren und ausgeliefert zu sein. 


Dorothee Sölle kommentiert folgende Zeilen von Rainer Maria Rilke :

„Sei allem Abschied voran, 
als wäre er hinter dir her 
wie der Winter, der eben geht.“

„…nein, ich bin dem Abschied nicht voran, und schon gar nicht dem endlosen Winter, er ist vor mir. Ich will ihn nicht überschlagen oder ihn vorlaufend überholen. Mein Aufenthalt ist nicht nur im Werden, er ist und bleibt im Fluss des Werdens und Vergehens.“Dorothee Sölle in „Mystik des Todes“, S. 96

HIER↓ gefunden: Anregungen und Impulse: Zitate von Frauen „Ich möchte mir nicht falsch helfen lassen.“

Dazu habe ich kürzlich auch einen berührenden Artikel in der Zeitlupe gelesen „Jedem Menschen seinen eigenen Tod." 
Auch Sterbehilfe ist da ein Thema und ebenso, dass der allgemeine Wunsch der meisten Menschen „schnell und schmerzlos“ zu sterben, nur etwa von 10% der Bevölkerung in Erfüllung geht. Alle anderen werden sich mit dem eigenen Sterben auseinandersetzen müssen.


Nikola Biller-Andorno↓, Professorin für Biomedizinische Ethik antwortet auf die Frage: "Kann man sich mit dem Sterben arrangieren?"

"Ich glaube ja. Gedanken an den Tod holen einen ja immer wieder ein, wenn man einen nahen Menschen verliert. Man lernt so sich einer schwierigen Situation zu stellen, man kann daran wachsen. Je näher der Tod kommt, umso vertrauter wird man mit ihm. Er ist Teil eines natürlichen Prozesses. Unsere Gesellschaft ist dabei, ihn wieder ins Leben hereinzuholen. Und das ist gut so."

Zitiert aus dem Interview „Toleranz am Lebensende ist das Wichtigste“
Aus Zeitlupe 11/2015 Seite 17 - HIER↓ alles lesen


Wenn wir in Gedanken mit dem Tode vertraut sind,
nehmen wir jede Woche, jeden Tag als ein Geschenk an,
und erst wenn man sich das Leben
so stückchenweise schenken lässt, wird es kostbar.
Albert Schweitzer



Viele kostbare Lebenstage und Vertrauen in das Werden und Vergehen
wünsche ich allen in diesen kommenden Novembertagen.

Liebe Grüsse aus dem
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