Montag

Die verlorene Ehre der oder des Gejagten

Kürzlich habe ich mir einen Kultfilm der siebziger Jahre auf DVD angesehen. Der Film ging in der damaligen Zeit ungesehen an mir vorbei und doch prägte sich mir das Gesicht der Hauptdarstellerin ein, irgendwie.

Nun nach so vielen Jahren sprang mich ihr Bild↓ auf der Hülle einer DVD an, in der Bibliothek. Der Filmtitel heisst: Die verlorene Ehre der Katharina Blum, die Hauptdarstellerin ist Angela Winkler↓


Dieses Jahr sind es genau 40 Jahre her seit der Film gedreht wurde, und er ist so aktuell wie je. Statt Katharina Blum könnten X Namen* da stehen, von Menschen, die von der Presse vorverurteilt wurden. Wo Ermittler der Presse oder einzelnen Reportern Tipps und Hinweise geben um ihre Sicht der Ereignisse durchzusetzen.

(*Eben  habe ich im Internet gelesen, dass Amanda Knox↓ definitiv freigesprochen wurde, nachdem ich ihr Buch "Zeit, gehört zu werden" gelesen habe, denke ich, dass auch ihr Name da stehen könnte).

So entstehen dann Fantasiegeschichten, oder besser gesagt Lügenstories, zwar mit der einen oder anderen Wahrheit gespickt, das andere ist alles Spekulation und Dichtung, welche als Wahrheit verkauft wird.


Im Film gerät Katharina Blum in die Maschinerie eines solchen Geschehens. Sie wird abrupt verhaftet vom Frühstückstisch weg, wegen einer Liebes-beziehung zu einem Mann, der als vermutlicher Mörder gejagt wird und der sich angeblich letzte Nacht in ihrer Wohnung aufgehalten haben soll

Ihre Wohnung wird durchsucht, überall wühlen sie herum, Katharina Blum wird verhört und erniedrigt. Doch schlussendlich haben sie nichts gegen die junge Frau in der Hand, und lassen sie frei, in der Hoffnung, dass sie die Ermittler irgendwann ohne ihr Wissen zum gesuchten Mann führen wird.


Doch eine Hetzkampagne der Presse ist bereits in vollem Gang, ein gnaden-loser Sensationsjournalist wühlt in ihrem Privatleben und stilisiert die einfache und unbescholtene junge Frau zur Verbrecherin. 

Tag für Tag liest Katharina Blum in diversen Zeitungen, was alles über sie geschrieben wird, es ist wie ein Zwang. Sie wird zutiefst getroffen in ihrer Persönlichkeit, muss sich erbrechen ob all der Ungeheuerlichkeiten, die ihr angedichtet werden.

Wie soll sie sich wehren? Es wird ihr geraten zu vereisen, keine Zeitungen mehr zu lesen und einfach abzuwarten bis sich der Sturm gelegt hat. Doch die Gejagte ist zu verletzt, gedemütigt und getroffen. Sie greift zur Selbstjustiz, sagt dem Sensationsjournalisten ein großes Interview zu, erwartet ihn in ihrer Wohnung, erschießt ihn bei dieser Gelegenheit und wird so zur Mörderin.


In der Grabrede für den erschossenen Sensationsjournalisten bezeichnet der Chef des Verlags, für den der Verstorbene gearbeitet hat, die Tat Katharina Blums ironischerweise als „Angriff auf die Pressefreiheit“ und erklärt, dass man derartigen Angriffen künftig stärker entgegenwirken müsse. 

Der Film basiert auf dem Buch von Heinrich Böll↓
„Die verlorenen Ehre der Katharina Blum oder Wie Gewalt entstehen und wohin sie führen kann“

Originaltitel                 Die verlorene Ehre der Katharina Blum
Produktionsland           Deutschland
Erscheinungsjahr          1975
Länge                        105 Minuten
Regie                         Volker Schlöndorff↓ Margarethe von Trotta↓


Gemäß Art 14 Abs. 2 des Internationalen Pakts über bürgerliche und politische Rechte der Vereinten Nationen hat jeder wegen einer strafbaren Handlung Angeklagte Anspruch darauf, "bis zu dem im gesetzlichen Verfahren erbrachten Nachweis seiner Schuld als unschuldig zu gelten". In den Ländern des Europarats wird der Grundsatz darüber hinaus gewährleistet aufgrund von Art. 6 Abs. 2 der Europäischen Menschenrechtskonvention:

„Jede Person, die einer Straftat angeklagt ist, gilt bis zum gesetzlichen Beweis ihrer Schuld als unschuldig.“ Wikipedia↓


Wer es vorzieht Frühlingsgeschichten zu lesen, wird in den folgenden Links fündig:

oder

Schöne Ostertage wünsche ich allen hier Lesenden.
Genießt die freien Tage,
ob allein, mit Freundinnen und Freunden oder mit der Familie.
Kostbare Momente angefüllt mit Herzlichkeit und Anteilnahme.

Liebe Grüsse aus dem
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