Dienstag

Abschied aus dieser Welt – Nachösterliche Gedanken

Gestern am Ostermontag las ich in Luisa Salamandras Blog über das Sterben ihrer hochaltrigen Mutter. Das Hin und Her, Bleiben oder Gehen? 

Luisas Wahrnehmung dieser uralten Menschen, die in einem grauen Zwischenreich orientierungslos dahinstolpern und sich nicht für eine Richtung entscheiden können. Sich nicht entscheiden können ALLES hinter sich zu lassen, loszulassen und weiter zu gehen ins Unbekannte. Das Gelesene und Gefühlte hat mich sehr berührt

Sie schreibt da: „Ich glaube dass es wichtig ist eine vision fürs alter zu haben wenn du nicht in diesem bedrohlichen zustand zwischen leben und tod landen willst wo meine mutter jetzt ist – sie kann weder wirklich leben noch kann sie sterben und ist total abhängig von anderen.“

Wie schon oben erwähnt, das Gelesene hat mich sehr berührt, und darum liegt es mir am Herzen einige Zeilen darüber zu schreiben. Denn, ich habe viele Menschen sterben sehen, und nur sehr wenige, die angstfrei und gelöst diesen Weg gegangen sind. Nicht einmal im Alter, ganz zu schweigen von denen, die noch mitten im Leben standen.

Wir leben in einer Gesellschaft, die sagt: „Nur nicht daran denken“ an den Tod, ans Sterben das unweigerlich vor jedem von uns liegt. Selbst wenn es langsam ans Altwerden geht, wird dieser Gedanke weit von sich gewiesen. Eine hilflose Strategie, denke ich, aber irgendwie auch verständlich in dieser Welt des Materialismus.


Realität ist eine Illusion, 
allerdings eine sehr hartnäckige.
Albert Einstein

Würde ich auf eine große Reise gehen wollen, ohne mich irgendwie vorzubereiten, keine Vision zu haben, wo es hingehen könnte. Das einzige was ich wüsste, wäre, dass ich an genau diesen Ort, wo ich im Moment lebe, zu genau diesen Menschen in dieser Form nicht mehr zurückkehren kann. 

Würde es mir nicht den Abschied erleichtern, wenn ich vorher schon etwas übte innerlich loszulassen?Als „Päng“ aus dem Nullkommanichts da hineingestoßen zu werden?

Ich bin immer wieder entsetzt wie unsere Gesellschaft die Sterbenden geistig sich selbst überlässt, keine bis wenig Antworten weiß um ihnen den Übergang zu erleichtern, ihnen hilft den Start in ihre lange Reise ins Ungewisse mutig anzugehen. 

Eine Vision, die uns trägt beim Abschied aus dieser Welt, sollte zu Zeiten gefunden werden, in denen wir geistig noch fit und beweglich sind. Die wir einüben können um sie in schweren Zeiten präsent zu haben.

Meine persönliche Vision, die ich einübe und die mich begleiten soll, wenn ich auf die große Reise gehe, ist in den Worten des folgenden Gedichtes zu finden. Sie füllen mein Herz mit Vertrauen und Zuversicht.

Nimm Abschied

Nimm Abschied, eh’ der Abschied kommt,
und er wird leicht dir werden.
Du findest Eltern, Kinder, Freund,
wenn du neu kommst auf Erden.

Doch immer bleibt Vergänglichkeit
für dich geheimes Grauen.
So fremd ist dir Veränderung,
du fürchtest sie zu schauen.

Zu Staub zerfällt gar bald dein Leib,
doch nicht dein wahres Wesen.
Lös dich von der Persönlichkeit,
so bist du heil, genesen.

Nimm Abschied, eh’ der Abschied kommt,
warum das Sich-Belügen?
Der Tod ist Herr der ganzen Welt,
doch du kannst ihn besiegen.

(zitiert aus „Im Reiche der Buddhas“ von Māyā Keller-Grimm
Gedichte Gesamtausgabe, Seite 156)

Liebe Grüsse aus dem
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