Montag

Das Wort zum Montag ~ Ewige Liebe?

Ewige Liebe wird oft beschworen – in Romanen, in Gedichten, in Liedern: Songs und Chansons. Und nicht zu vergessen in Filmen. Kürzlich habe ich einen eindrücklichen Film gesehen „Amour“ oder „Liebe“ (auf DVD).

Er handelt von Georg und Anna, beide sind um die 80, kultivierte Musik-professoren im Ruhestand. Die Tochter, ebenfalls Musikerin, lebt mit ihrer Familie im Ausland. 

Eines Tages hat Anna einen Anfall – Beginn einer Bewährungsprobe für die Liebe der beiden. 


Ich war von Anfang bis Ende des Films gefesselt vom Geschehen, es traf mich mitten ins Herz und ging mir auch an die Nieren, wie man so sagt. Und die Schauspielkunst von Jean-Louis Trintignant und Emmanuelle Riva ist einfach hinreißend. Im Gedächtnis hatte ich Jean-Louis Trintignant↓ noch als Mann um die 40/50 gespeichert, ihn nun als alten Mann anzutreffen, war ein Ereignis für sich.

Empfehlen kann ich den Film↓ nur Menschen mit starken Nerven und der Fähigkeit der Realität offen ins Auge zu sehen. Zufolge dem Regisseur Michael Haneke ist das Hauptthema seines Drehbuchs nicht Alter und Tod, „sondern die Frage, wie man mit dem Leiden eines geliebten Menschen umgeht“. 

Der Film bekam in Cannes die goldenen Palme und wurde 2013 mit fünf Oscars ausgezeichnet.  


Auch erst kürzlich habe ich folgende eindrückliche Worte gelesen, die ebenfalls mein Herz berührt und ergriffen haben. Und dies in einem sachlichen Buch von  Liu Xiaobo „Ich habe keine Feinde, ich kenne keinen Hass“.

Liu Xiaobo↓ ist ein chinesischer Schriftsteller, Systemkritiker und Menschenrechtler. 2009 wurde er zu elf Jahren Haft verurteilt in Zusammenhang mit der Charta 08↓. 

2010 bekam er den Friedensnobelpreis zugesprochen, den er nicht abholen durfte. 

Zitiert aus: 
„Ich habe keine Feinde – eine letzte Stellungsnahme“ (Seite 383/384):
Deine Liebe übersteigt alle Mauern, sie ist der Sonnenstrahl, der durch die Gitterstäbe fällt und jede Faser meiner Haut streichelt, mir jede Körperzelle wärmt und mir zu jeder Zeit inneren Frieden gibt, Licht und Großherzigkeit. Sie verleiht jeder Minute, die ich in meiner Zelle verbringe, einen Sinn.

Meine Liebe für dich dagegen ist oft so voller Reue und Gewissensbisse, dass ihr Gewicht mich zuweilen ins Stolpern bringt. Ich bin ein grober Stein in der Wildnis, gepeitscht von Sturm und Regen, so kalt, dass ihn niemand anzufassen wagt. Aber meine Liebe ist felsenfest und scharf, sie durchdringt jedes Hindernis. Selbst wenn man mich zu Staub zermahlt, werde ich dich noch mit meiner Asche umarmen können.

Diese Worte sind an seine Frau Liu Xia↓ gerichtet. 


Liu Xia lebt (Stand Oktober 2013) unter scharfer Polizeibewachung; Polizisten verwehren jedem der sie besuchen will den Zugang zu ihr. Sie darf ihren Mann einmal im Monat eine halbe Stunde lang besuchen; schon seit mehr als zwei Jahren darf Liu Xia ihm keine Briefe direkt überreichen. Ihr werden viele Themen verboten.
Liu Xia leidet an einer Herzkrankheit, sie hat oft starke Schmerzen. Sie weiß nicht genau, wie es ihr geht, und bekommt keine ihrer Erkrankung adäquate Behandlung.
(Nicht zu vergessen, Liu Xia ist kein politischer Häftling, sie ist nur die Ehefrau eines politischen Gefangenen!)