Montag

Unrecht und Hilfe zur Selbsthilfe ~ Solidarität

In den Abgründen des Unrechts
findest du immer die grösste Sorgfalt für den Schein des Rechts.
Heinrich Pestalozzi 1746 - 1827

Der gestrige Kalenderspruch von Heinrich Pestalozzi hat mich frappiert. Denn irgendwie erinnert er mich an einige Whistleblower↓, die den Mut manifestierten, Unrecht aufzudecken.

Und was tun die Verantwortlichen, der so ans Licht gezerrten Untaten oft? Mit größter Sorgfalt halten sie den Schein des Rechts ihrer Taten aufrecht. Vielleicht geben sie etwas zu, bauen jedoch gleichzeitig neue Lü-gengebäude auf um ihr Tun zu rechtfertigen.

Heinrich Pestalozzi war ein Schweizer Pädagoge. Außerdem machte er sich als Philanthrop, Schul- und Sozialreformer, Philosoph sowie Politiker einen Namen. (Wikipedia)


In der Schweiz kennt man Pestalozzi heute allgemein als herzensguten Vater armer Kinder. Gelegentlich wird er deswegen auch leise verspottet, und jedermann kennt die Redensart: "Ich bin nicht der Pestalozzi." Das will heißen: Ich bin nicht so dumm, dass ich ohne Not etwas weggebe oder mir etwas nehmen lasse. Quelle Text: HIER↓ alles lesen

Das führt mich zum nächsten Text, den ich gestern gelesen habe. Hier einige Zeilen aus dem Editorial der Zeitschrift „Surprise“, einer Straßen-zeitung↓ mit dem Thema: „Der Armut ein Gesicht geben.“ Der Redakteur schreibt da unter anderem:

Wer sich für die Unterprivilegierten einsetzt, wird von gewissen Kreisen als „Gutmensch“ verhöhnt. Der Begriff suggeriert, dass jene, die Schwache unterstützen, dies tun, um sich selber als gute Menschen zu fühlen.

In Wahrheit tut der Gutmensch etwas Selbstverständliches: Er besteht darauf, dass auch der Schwache zu seinem Recht kommt. Das macht ihn noch nicht zu einem guten Menschen, sondern lediglich zu jemandem, der begriffen  hat, worauf unsere Gesellschaft fußt. 

Nämlich nicht auf der Großzügigkeit der Grossen gegenüber den Kleinen, sondern auf Solidarität und Ausgleich innerhalb einer Gesellschaft von Gleichen.


Es fällt mir auf, dass jene, die mit dem Wort Gutmensch um sich werfen, oft diejenigen sind, welche selbst keinen Finger für andere rühren möchten. So lenken sie von sich ab und unterstellen denjenigen, die gerne und selbstver-ständlich helfen, sie würden damit ihre eigenen Probleme kaschieren, indem sie mit ihrer Tätigkeit nur gute Gefühle für sich erzeugen wollen. Es wird ihnen sogar eingeredet sie seien krank und hätten ein Helfersyndrom.

Wer geizig ist und mit verschlossenem Herz alles in seine Taschen stopft ist nach dieser Logik gesund (Geiz ist geil),  und derjenige mit offenem Herz und offenen Händen ist krank (ein Gutmensch).

Auch hier gilt, was Pestalozzi sagte: …die grösste Sorgfalt für den Schein des Rechts. Und wie es der Redakteur im Editorial so schön formu-lierte: Wir brauchen Solidarität und Ausgleich innerhalb einer Gesell-schaft von Gleichen.

Wir sind uns darin gleich, dass wir Menschen sind. Wir möchten glücklich sein und nicht leiden. Natürlich ist es niemandem verwehrt zu leiden, wenn er dies denn vorzieht. Es wird niemand zum Glück gezwungen, das ist sowieso nicht möglich.

Ich sehe auch, dass es verschiedene Arten von Helfen gibt. Pestalozzis Devise war die Menschen zu bilden, damit sie sich selbst helfen können, damit sie Mut bekommen ihr Leben in ihre eigenen Hände zu nehmen.

Es gibt die andere Seite, wo jemand mit seiner Hilfe Menschen von sich abhängig macht, vielleicht sogar mit der besten Absicht. Das ist eine kurz-sichtige Hilfe ohne Perspektive und Weisheit. 

Wir müssen das eine vom anderem unterscheiden, und ich denke, es gibt in unserer Welt schon etliche gute Ansätze von Hilfe zur Selbsthilfe.

JETZT DA SEIN
in Solidarität mit den Lebewesen