Dienstag

Unserer Hände Arbeit ~ Rätsel und Wandel

Verteilt über die letzten Wochen beobachtete ich vom Küchenfenster aus immer mal wieder die Handwerker auf den Nachbarhäusern bei ihrer Arbeit. 

Erst wurde professionell ein Metallgerüst rund um zwei vierstöckige Häu-ser aufgezogen. Konzentriert und Hand in Hand arbeitend, Kompetenz und Sicherheit ausstrahlend, jeder Griff sass.

Später dann die Arbeit am Dach, alle Ziegel wurden abgedeckt. Jeder einzelne Ziegel in die Hand genommen, dem Kollegen zugeworfen, dieser gab ihn weiter an den nächsten und jener wiederum warf ihn dem letzten in der Reihe in die Hände. 

Beinahe wie ein Ballspiel nur dass es sich auf einem Dach abspielte und der „Ball“, sprich Ziegel durfte auf keinem Fall hinunterfallen, obwohl Scherben Glück bringen sollen (lächel).


Schlussendlich waren die Ziegel schön aufgereiht auf einer Seite des Da-ches, bereit um bei der Fertigstellung des Dachgerüstes wieder eingesetzt zu werden, jeder einzelne in Handarbeit. 

Auch da Präzisionsarbeit wie ich es schon an der Arbeit beim ersten Haus mitbekam. Diese Handwerker schaffen echte Werte, die bestehen bleiben, auch wenn irgendwelche Börsenblasen platzen. 

Es wird mir immer ein Rätsel bleiben, warum diese so wertvolle Arbeit der Handwerker in der Gesellschaft weniger angesehen ist als z.B. ein Bürojob in einer Bank oder auf einer Verwaltung oder als die Arbeit eines Akademikers.

Mein Respekt vor ihrer körperlich harten Arbeit ist ihnen sicher, ebenso meine Hochachtung vor ihren geschaffenen Werten.


An einigen jungen Männern, die auch in diese Renovationsarbeit in der Nachbarschaft involviert sind, schliesse ich, dass das Handwerk bei der jungen Generation wieder mehr Ansehen hat. 

Die Bildungsreform ermöglicht ihnen je nach Interesse, Ehrgeiz und In-telligenz auch den Abschluss der Berufsmaturität↓. Das finde ich super, denn jeder kann ja nicht Arzt oder Juristin werden oder sonst was studieren. Und all die Handwerksarbeit weitgehend an die zugewanderten Menschen aus dem Süden zu delegieren, ist nicht das Gelbe vom Ei. 


Kürzlich habe ich gelesen und am Radio gehört, dass sich andere Län-der↓ und sogar dieUSA↓ für unser Ausbildungssystem zur Berufsbildung interessieren. 

Das finde ich klasse, mit Anlernen ohne Theorie lässt sich zwar viel Prak-tisches übermitteln, doch eine fundierte Ausbildung, wo Theorie und Praxis sich ergänzen, sind Früchte tragend für die Qualität der Arbeit und die Anerkennung der Berufe.

Alles ist im Wandel, auch im Ausbildungssektor ist das offensichtlich. Früher hiess mein zweiter Beruf noch „Krankenschwester“, heute ist er zur Pflege-fachfrau mutiert. Und auch da gibt es verschiedene Möglichkeiten bis zur Pflegewissenschaft mit einem Universitätsabschluss.

Auch was die klassischen Frauen- und Männerberufe betrifft ist vieles im Wandel. Ich bin immer wieder überrascht, wenn in unserer Stadt so ein rie-siger Doppelgelenktrolleybus↓ oder eines der langen Trams (Strassen-bahn)↓ von einer zierlichen Frau gelenkt wird. 


An einem der wenigen schönen und warmen Frühlingstage sah ich auf dem Baugerüst nebenan eine junge hübsche Frau mit langen Haaren, wie aus einem Modemagazin entstiegen,  wie sie sich zuoberst auf dem Baugerüst räkelte. Es war Mittagszeit.

Ich rätselte, was die dort oben tut, spekulierte ob sie aus dem Fenster der obersten Wohnung gestiegen war um auf dem Baugerüst die Sonne zu ge-nießen. Oder einfach um den attraktiven jungen Handwerkern den Kopf zu ver-drehen? Halt so Gedanken einer alten Frau von gestern (zwinker).

Des Rätsels Lösung: Die Frau gehört zum Handwerksteam, sie arbeitete an den Holzfensterrahmen, die neu an den Dachfenstern eingesetzt wurden. Zu-sammen mit einem Kollegen gab sie dem Holz den letzten Schliff, und deckte es dann mit Kupferblech ab. Weibliche Eleganz und Kompetenz auf dem Baugerüst.


Was mir noch aufgefallen ist, dass oft schweizerdeutsch oder hoch-deutsch gesprochen wurde. Die deutschen Einwanderer↓ haben hier in der Stadt diejenigen aus Italien zahlenmäßig überholt. 

Beim Gerüst-Abbau hörte ich vor allem jugoslawisch, ob es jetzt kroatisch, serbisch oder albanisch war, konnte ich nicht unterscheiden, die haben sich auf jedem Falle alle gut verstanden.

Europa ist im Wandel!
Selbst aus meinem Küchenfenster blickend, ist das ersichtlich-;)
JETZT da SEIN